
Die Schweizer Faserlücke: Was die menuCH-Umfrage über unsere Defizite verrät
Basierend auf Forschung der Universitäten Bern, Basel und Zürich — veröffentlicht 2024–2025
Die meisten von uns glauben, sich recht gesund zu ernähren. Genug Salat, etwas Obst, anständiges Brot. Doch eine wachsende Zahl an Studien, die auf der nationalen Ernährungserhebung der Schweiz — menuCH — beruhen, zeichnet ein nüchterneres Bild: Die überwiegende Mehrheit der Schweizer Erwachsenen bleibt deutlich hinter dem zurück, was ihr Körper an Ballaststoffen benötigt.
Und es zeigt sich: Wann man isst, spielt fast genauso eine Rolle wie was man isst.
Was ist menuCH — und warum kann man der Studie vertrauen?
Die Nationale Ernährungserhebung menuCH ist die umfassendste Untersuchung darüber, was die Schweizer Bevölkerung tatsächlich isst. Sie wurde von den Instituten für Sozial- und Präventivmedizin in Lausanne und Bern im Auftrag des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) sowie des Bundesamts für Gesundheit durchgeführt und befragte 2'057 Erwachsene im Alter von 18–75 Jahren mittels zweier detaillierter 24-Stunden-Ernährungsrückrufe pro Person. Diese sorgfältige Methodik — die nicht nur erfasst, was Menschen essen, sondern auch wann, wie viel und aus welchen Lebensmittelgruppen — hat menuCH zu einer unschätzbar wertvollen Ressource für die Ernährungsforschung gemacht.
Seit die Daten veröffentlicht wurden, haben mehrere Schweizer Universitätsteams Ergebnisse speziell zur Ballaststoffaufnahme publiziert. Zwei wegweisende Studien stechen dabei hervor.
Studie 1: Der Zusammenhang zwischen Ballaststoffen und stark verarbeiteten Lebensmitteln (2024, BMJ Nutrition, Prevention & Health)
Autoren: Schönenberger, Huwiler, Reber, Mühlebach, Stanga, Pestoni, Faeh Institutionen: Universität Bern, Universität Basel, Universität Zürich, Berner Fachhochschule
Die erste grosse Analyse der Ballaststoffaufnahme auf Basis der menuCH-Daten, veröffentlicht Anfang 2024, stellte eine einfache, aber wichtige Frage: Wie viele Schweizer Erwachsene erreichen tatsächlich die empfohlene Ballaststoffzufuhr — und welche Rolle spielen dabei stark verarbeitete Lebensmittel (Ultra-Processed Food, UPF)?
Die Ergebnisse waren aufschlussreich.
87 % der Schweizer Erwachsenen nahmen weniger als 30 g Ballaststoffe pro Tag zu sich — die gemäss den DACH-Referenzwerten (Deutschland, Österreich, Schweiz) empfohlene Menge. Das bedeutet: Fast neun von zehn Personen erreichen das Ziel nicht.
Die Studie ging jedoch noch weiter und stellte einen direkten Zusammenhang zwischen niedriger Ballaststoffaufnahme und dem Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel her. Teilnehmende im höchsten Quartil des UPF-Konsums hatten deutlich geringere Chancen, auch nur eine moderate Ballaststoffzufuhr zu erreichen — mit einem klaren dosisabhängigen Zusammenhang: Je mehr stark verarbeitete Lebensmittel jemand ass, desto weniger Ballaststoffe nahm diese Person tendenziell zu sich. Dieser Zusammenhang bestand in der gesamten Bevölkerung, unabhängig von anderen Lebensstil- und soziodemografischen Faktoren.
Die Schlussfolgerung war unmissverständlich: Massnahmen der öffentlichen Gesundheit müssen gleichzeitig stark verarbeitete Lebensmittel zurückdrängen und aktiv unverarbeitete, vollwertige Lebensmittel als Ballaststoffquellen fördern.
Studie 2: Wann man seine Ballaststoffe isst, spielt eine Rolle (2025, Journal of Nutritional Science)
Autoren: von Blumenthal, Schönenberger, Huwiler, Stanga, Pestoni, Faeh Institutionen: Universität Bern (Inselspital), Universität Basel, FFHS/SUPSI, Universität Zürich, Berner Fachhochschule
Diese im März 2025 veröffentlichte Folgestudie untersuchte eingehender den Zeitpunkt und die Quellen der Ballaststoffaufnahme — eine Dimension, die in der Ernährungsforschung bisher selten beleuchtet wurde.
Die Zahlen
Die Ballaststoffaufnahme verteilte sich wie folgt über den Tag:
| Mahlzeit | Durchschnittliche Ballaststoffaufnahme |
|---|---|
| Frühstück | 4,1 g/Tag |
| Mittagessen | 6,0 g/Tag |
| Abendessen | 6,4 g/Tag |
| Zwischenmahlzeiten | geringere Mengen |
Personen mit der höchsten Ballaststoffaufnahme konsumierten beim Frühstück deutlich mehr — bis zu 6,4 g mehr pro Tag allein bei dieser Mahlzeit — im Vergleich zu Personen mit niedriger Ballaststoffaufnahme. Der Unterschied beim Frühstück war der wichtigste unterscheidende Faktor zwischen Personen, die die Empfehlungen erreichen, und jenen, die es nicht tun.
Woher die Ballaststoffe tatsächlich stammen
Die Studie identifizierte die wichtigsten Lebensmittelgruppen als Ballaststoffquellen in der Schweizer Ernährung:
Getreideprodukte — 35,6 % der gesamten Ballaststoffzufuhr (davon aber nur 17,5 % aus Vollkorn) Gemüse — 18,3 % Früchte — 18,2 % Hülsenfrüchte — nur 1 %
Diese Zahl zu den Hülsenfrüchten ist womöglich die aufschlussreichste der gesamten Studie. Hülsenfrüchte — Linsen, Kichererbsen, Bohnen — gehören zu den ballaststoffreichsten Lebensmitteln überhaupt, spielen in der Schweizer Ernährung aber kaum eine Rolle.
Frühstück auslassen: Ein verstecktes Ballaststoffproblem
Eine der aufschlussreichsten Erkenntnisse betrifft das Frühstück. Unter Personen mit niedriger Ballaststoffaufnahme:
29 % liessen das Frühstück ganz ausfallen (gegenüber 15 % in der allgemeinen menuCH-Bevölkerung)
Auch nach Berücksichtigung der Kalorienzufuhr liessen Frühstücksverweigerer deutlich häufiger in die Gruppe mit niedriger Ballaststoffaufnahme fallen.
Menschen mit hoher Ballaststoffzufuhr wählen nicht nur andere Lebensmittel — sie starten typischerweise auch anders in den Tag, meist mit einem Frühstück, das Vollkorn, Früchte oder andere ballaststoffreiche Optionen enthält.
Das grössere Bild: Die Schweiz steht nicht allein da — ein schwacher Trost
Die durchschnittliche Ballaststoffaufnahme in Europa liegt bei erwachsenen Männern zwischen 18–24 g/Tag und bei erwachsenen Frauen zwischen 16–20 g/Tag — deutlich unter den empfohlenen 30–35 g/Tag. Die Schweizer Zahlen fügen sich nahtlos in diesen Rahmen ein, was darauf hindeutet, dass das Land dieselben strukturellen Ernährungsgewohnheiten teilt wie seine Nachbarländer: viele raffinierte Getreideprodukte, wenig Hülsenfrüchte und ein Lebensmittelumfeld, das eher auf Bequemlichkeit als auf Ballaststoffe setzt.
Diese Lücke — die in der westlichen Welt auf rund ein Drittel unter den empfohlenen Werten geschätzt wird — ist ein echtes Ernährungsproblem auf Bevölkerungsebene, kein Randphänomen. Das ist auch einer der Gründe, warum das Thema Ballaststoffe in der europäischen Public-Health-Forschung nach wie vor so aktiv untersucht wird.
Was kann man konkret tun?
Die Forschung zeigt vier konkrete Hebel auf — plus einen für die Momente, in denen der Alltag keine perfekte Lösung zulässt.
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Das Frühstück nicht auslassen — und es zählen lassen. Ein ballaststoffreiches Frühstück ist der wichtigste Unterschied zwischen Personen mit niedriger und hoher Ballaststoffzufuhr. Porridge mit Beeren, Müesli mit Nüssen oder Vollkornbrot mit Nussmus können jeweils 5–8 g Ballaststoffe schon vor dem Mittagessen liefern.
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Von raffiniertem Getreide zu Vollkorn wechseln. Getreideprodukte sind die grösste Ballaststoffquelle in der Schweizer Ernährung, doch nur rund ein Sechstel der Getreidezufuhr stammt aus Vollkorn. Der Wechsel von Weissbrot, Pasta oder Reis zu den entsprechenden Vollkornvarianten kann den Ballaststoffbeitrag dieser Lebensmittelgruppe nahezu verdoppeln.
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Mehr Hülsenfrüchte essen. Da Hülsenfrüchte nur 1 % der Ballaststoffzufuhr ausmachen, ist das Potenzial enorm. Linsen in die Suppe, Kichererbsen in den Salat oder Bohnen in ein Wochenendgericht zu geben, gehört zu den wirkungsvollsten Ernährungsanpassungen überhaupt. Eine Portion Linsen (~200 g gekocht) liefert rund 8 g Ballaststoffe.
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Stark verarbeitete Lebensmittel reduzieren. Die menuCH-Studie von 2024 zeigte einen direkten, dosisabhängigen Zusammenhang zwischen dem Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel und niedriger Ballaststoffzufuhr. Stark verarbeiteten Lebensmitteln werden bei der Herstellung typischerweise Ballaststoffe entzogen. Jede Mahlzeit, die auf gering verarbeiteten Zutaten basiert, ist eine Chance für mehr Ballaststoffe.
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Lücken mit etwas Praktischem schliessen. Die menuCH-Daten zeigen eines ganz klar: Die Ballaststofflücke entsteht nicht beim Abendessen — sie entsteht beim Frühstück und in den Zwischenmomenten, in denen Kochen keine Option ist. Genau für dieses Problem wurde Fibes entwickelt. Hergestellt aus echtem Fruchtpüree ohne Zuckerzusatz und in der Schweiz erhältlich, liefert jedes Fibes-Pouch rund 6 g Ballaststoffe — knapp ein Fünftel der Tagesempfehlung — in einer Form, die nur Sekunden zum Verzehr braucht. Kirsche, Apfel oder Sanddorn: am Schreibtisch, nach dem Training oder auf dem Arbeitsweg. Es ersetzt keine Schüssel Linsen, aber für die 87 % der Schweizer Erwachsenen, die ihr Tagesziel verfehlen, ist es ein echter Einstieg.
Ein Hinweis zur Forschung
Beide Studien nutzten die national repräsentativen menuCH-Daten mit entsprechender statistischer Gewichtung und folgten den STROBE-nut-Berichtsrichtlinien. Die Forschungsteams umfassten Klinikerinnen und Epidemiologen mehrerer Schweizer Institutionen, was die methodische Aussagekraft zusätzlich stärkt. Die Ergebnisse sind so solide, wie es Ernährungswissenschaft auf Bevölkerungsebene nur sein kann.
Fazit
Die Schweiz ist ein Land, das sich viel auf seine Lebensqualität und Gesundheit zugutehält. Und dennoch bleibt die Ballaststoffzufuhr — sorgfältig dokumentiert durch die eigene nationale Ernährungserhebung — bei fast neun von zehn Erwachsenen unter dem Ziel. Die gute Nachricht: Die menuCH-Daten zeigen nicht nur das Problem auf, sondern auch genau, wo die Lücke liegt und wann sie im Tagesverlauf entsteht. Frühstück, Vollkorn, Hülsenfrüchte und die kleinen täglichen Gewohnheiten dazwischen — dort wird die Ballaststofflücke entschieden. Produkte wie Fibes gibt es genau deshalb, weil der Alltag nicht immer einen perfekten Teller zulässt — und 6 g Ballaststoffe aus Früchten sind allemal besser als die Alternative: gar nichts.
Quellen:
Schönenberger KA et al. „Dietary fibre intake and its association with ultraprocessed food consumption in the general population of Switzerland." BMJ Nutrition, Prevention & Health, 2024. DOI: 10.1136/bmjnph-2023-000727
von Blumenthal F et al. „Dietary fibre intake in the adult Swiss population: a comprehensive analysis of timing and sources." Journal of Nutritional Science, 2025. DOI: 10.1017/jns.2025.6
Nationale Ernährungserhebung menuCH, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen / Bundesamt für Gesundheit



